Street Art Ehrenfeld

Street Art Walking durch Ehrenfeld am 03.06.2026

  „Alles Elend dieser Welt, kütt us Nippes, Kalk un Ihrefeld“ – mit diesem Spruch wurde Ehrenfeld einst zusammen mit den Kölner Stadtteilen Kalk und Nippes als hässlich, schmutzig und laut charakterisiert. Mit dem über 100 Jahre alten Spruch, mit dem man sich in den zitierten Stadtteilen Kölns wenig beliebt macht, begann unser Stadtführer Markus Zens den Spaziergang mit 19 Teilnehmenden.

Der Schmähspruch ist schnell erklärt: Nach der Verleihung der Stadtrechte Ehrenfelds 1879 folgten Ansiedlungen zahlreicher Betriebe, zu nennen sind Herbrand (Waggonfabrik), Herbol  (Farben) Helios AG (elektr. Licht), 4711 (Parfüm) u.a. und dafür wurden Arbeiter eingestellt, die weniger gebildet und häufig raufbereit waren; op kölsch: Dat woren Krade. Die arbeitende Bevölkerung wuchs durch die rasante Industrialisierung und es wurden notwendige Arbeitskräfte, Gastarbeiter, insbes. aus der Türkei eingestellt, deren Nachkommen noch heute das Stadtbild mitprägen.

Als ehemaliges Arbeiterviertel mit günstigen Mieten und frei gewordenen Industrieflächen ist Ehrenfeld gegenwärtig besonders bei Kunstschaffenden und Studierenden beliebt und es entwickelte sich in den letzten Jahren eine große freie Kulturszene, die legal und illegal Straßenkunst als alternative Kunst anbietet. Soviel zum Stadtteil Ehrenfeld.  

Unser heutiges Interesse galt aber der Street Art. Sie ist eine Form urbaner Kunst, die den öffentlichen Raum als Bühne nutzt, ob als farbenprächtige Wandmalerei, politische Botschaft oder humorvolle Intervention. Sie ist Ausdruck von Freiheit, Protest und Kreativität und macht aus Fassaden, Mauern und Straßen ein offenes Museum für alle. Sie will gesehen, verstanden und diskutiert werden. Die moderne Street Art entwickelte sich ab den späten 1960er-Jahren in New York. Auch Köln wurde mit dieser Kunst erreicht. In kaum einem anderen Viertel, wie in Ehrenfeld, gibt es so viele Murals (Wandbilder) auf so kleinem Raum, vor allem an der Helios-, Licht- und Körnerstraße. Aber auch am Ehrenfelder Bahndamm gibt es viel zu entdecken. 

Anhand vieler Ansichten erläuterte Herr Zens beispielhaft die vielfältigen Gestaltungsformen und wies auf die Bedeutung der Kunstwerke hin. Er zeigte uns die Vielzahl der Street-Art-Techniken wie Sticker, Schablonen und großflächige Murals. Jede Methode hat ihre eigene Wirkung und trägt als breites Spektrum der urbanen Kunst bei. Dabei vermittelte uns Herr Zens auch anschaulich den Unterschied zwischen Kunst, Botschaften und Schmierereien und bemerkte, dass für die Künstler die Vergänglichkeit ihrer Werke wie selbstverständlich gewollt ist.

Hervorheben möchte ich die imposanten Wandbilder an der Hinrichtungsstätte der Ehrenfelder Edelweißpiraten und das Bild vom Künstlerkollektiv Borderline zum NSA-Skandal, in dem das amerikanische Wappentier, der Weißkopfseeadler mit Kameras über die Welt mit dummen Schafen wacht. Ebenso großflächig grüßt eine Frau mit dem Spruch „I miss my Plattenbau“ und ein unbekannter Künstler, der sich als Mullah portraitiert hat. Die Fülle der Ansichten erschlägt einen fast und der Versuch, die Kunstwerke im Nachhinein zu beschreiben, ist müßig, man muss sie einfach gesehen haben.

Zum kulinarischen Abschluss unseres Programms kehrten wir auf der Venloer Str.in die Pizzeria Nonna Napoli ein und ließen dort unsere Eindrücke noch einmal Revue passieren. Es war – wieder mal mit HKV-Wetter- ein gelungener und interessanter Tag und dank Regina Görtz einer mit einer guten Organisation.

Text und Bilder: Peter Schriefer