am 22. Juni 2026
14 Interessierte machten sich mit der Straßenbahn auf den Weg, um die Diakonie Michaelshoven näher kennenzulernen. Begrüßt wurden wir von Prof. Uwe Ufer, dem kaufmännischen Vorstand, der uns im Rahmen eines Einführungsvortrags zunächst einen Überblick über die vielfältigen Tätigkeiten der Diakonie vermittelte. Die Diakonie ist ein eigenständiger Verein, der unabhängig von kirchlichen Trägern und anderen Dritten arbeitet. Er folgt einem evangelisch geprägten Wertekanon, der auch Menschen anderen Glaubens oder Konfessionslose einbezieht. Von allen Beschäftigten wird allerdings die Anerkennung der eigenen Werte und Grundsätze erwartet. Das Selbstverständnis spiegelt sich auch im Leitsatz „Mit Menschen Perspektiven schaffen“ wider.
Gegründet wurde die Diakonie Michaelshoven im Jahr 1950 durch Pfarrer Erwin te Reh, der zunächst eine Betreuung für Kriegswaisen aufbaute. Seit ihrer Gründung hat sich die Diakonie Michaelshoven stets dem Wandel der Zeit angepasst. Sie ist heute ein modernes Sozialunternehmen, das den Menschen mit all seiner Individualität immer im Fokus hat. Es arbeiten dort über 3.500 Mitarbeitende und 650 Ehrenamtler. Sie helfen in mehr als 200 Einrichtungen Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Behinderung und Senioren. Unterstützung erhalten auch Menschen, die sich in Krisen befinden. Menschen, die Arbeit oder eine Ausbildung suchen, erhalten neue, berufliche Perspektiven. Dazu gehört auch die Hilfe für Wohnungslose und eine Frauenberatung.
Die Einrichtung ist wirtschaftlich unabhängig. Die Herausforderung für den Vorstand liegt deshalb darin eine umfassende gute Leistung mit möglichst hoher Effizienz anzubieten. Deshalb ist die Organisation so aufgebaut, dass im Verein alle zentralen Dienste abgewickelt werden und die Leistungen von gemeinnützigen Tochter-GmbH´s erbracht werden. Die Organisation und das vielfältige Leistungsspektrum sind in der Abbildung dargestellt. Die Steuerung der Prozesse erfolgt mithilfe eines übergreifenden SAP Systems, dass allen Beschäftigten, die für sie jeweils relevanten Daten zur Verfügung stellt.
Durch die Schilderung verschiedener Tätigkeitsbeispiele stellte Uwe Ufer die Arbeit der Diakonie sehr lebendig dar. Der direkten Einbeziehung von Beschäftigten und Nutzern wird eine hoher Stellenwert eingeräumt. So wurden beispielsweise die Pflegenden befragt, wodurch sich ihre Arbeit am meisten verbessern ließe. Der meistgenannte Punkt war nicht ein höheres Gehalt, sondern eine deutliche Reduzierung des Dokumentationsaufwands. Daraufhin wurde auf allen Diensthandys der Pflegenden eine App installiert, die die gesprochenen Informationen während der Pflege aufnimmt und daraus eine Pflegedokumentation anlegt. Dies führte zu einer Zeiteinsparung von 50 Minuten bei jedem Pflegenden. Dieser Vorteil wurde nicht für eine Personalreduzierung genutzt, sondern den Pflegenden zur Verfügung gestellt, damit sie sich in dieser Zeit intensiver mit den zu Pflegenden beschäftigen konnten (zuhören, Gespräche führen, Spiele machen etc.). Dies ist nur eine Maßnahme, die von den Beschäftigen sehr positiv aufgenommen wurde und die dazu führt, dass die Diakonie mehr Bewerbungen erhält als sie Stellen anbieten kann.
Uwe Ufer präsentierte noch weitere Beispiele, die das hohe Engagement der Führung aber auch der Beschäftigen deutlich machte. Nach dieser beeindruckenden Präsentation hatten wir noch im Rahmen eines Rundgangs mit Sabine Boos die Gelegenheit einen direkten Eindruck von den verschiedenen Einrichtungen in einem parkähnlichen Gelände zu erhalten. Es war eine runde Veranstaltung, die uns alle sehr beeindruckt hat. Bevor wir dann wieder Richtung Hürth fuhren, konnten wir uns alle in einer nahe gelegen Gaststätte stärken.
Text: Otto Schaaf