Buchvorstellung mit Lesung im Löhrerhof am 11. Juni 2026
Am Donnerstag, den 11. Juni 2026, stellte Susanne Bautz ihr Erstlingswerk vor, einen historischen Roman über ihren Heimatort Hermülheim.
Der Roman beginnt mit der Besetzung des Rheinlandes durch die Truppen Napoleons Anfang Oktober 1794. Damit brach eine zwanzigjährige Zeitspanne der französischen Herrschaft an, die auch Hermülheim erfasste, einen Ort, der durch die Kreuzung von Luxemburger und Bonnstraße durchaus strategische Bedeutung genoss. Ging bislang das dörfliche Leben unter dem Schutz des Deutschen Ritterordens seinen geordneten Weg, war fortan nichts mehr, wie es vorher war. Für Hermülheim brach die Neuzeit an.
„Das Geheimnis der Herrenmühle“, der Schauplatz für den Roman ist die ehemalige Wassermühle am Duffesbach, eine Zwangsmühle des Deutschherren-Ordens, in der die Bevölkerung aus der Umgebung ihr Korn mahlen lassen musste. Im Jahr 1958 abgerissen, ist die Mühle heute auf dem Firmengelände von Bautz und Klinkhammer zu lokalisieren und inspirierte die Autorin zu diesem historischen Roman.
Ebenfalls historisch belegt ist das Gasthaus „Zur Krone“, das in verkehrsgünstiger Lage Einkehrmöglichkeit für Dorfbewohner und Reisende bot. Damit ist der historische Rahmen gesetzt, doch fehlt es der Erzählung nicht an Protagonisten, mit denen man hofft und bangt oder die Intrigen spinnen und ihren Vorteil rücksichtslos durchzusetzen suchen. Die schöne Müllerstochter Johanna, der verschlagene Kronenwirt oder der französische Lieutenant Jaques de Riquewihr, der sich in Johanna verliebt, lassen den Ort Hermülheim im 18. und 19. Jahrhundert lebendig werden. Die Einheimischen sprechen dabei zeitgenössisch „op kölsch“.
An einem Tisch auf der Bühne sitzend, trug die Autorin im fliederfarbenen Kleid mit sichtlichem Vergnügen mehrere Passagen aus ihrem Werk vor. Zwischendurch stand Susanne Bautz auf, um ersichtlich das Genre zu wechseln und die historischen Hintergründe des soeben Vorgetragenen zu erläutern. Der Abend hatte noch mehr zu bieten. Zur Pause wurde „Johannas Lieblingskuchen“, Appeltaat, im Publikum verteilt. Bautz ließ ihre Gäste an Lavendelsäckchen schnuppern, weil der Lieutnant dasselbe tat, wenn er Sehnsucht nach seiner Heimat, der Provence, hatte – visuell untermalt durch das Kleid der Autorin und die Dekoration im Raum. Viel Wissenswertes über das Vermächtnis der Franzosen von 4711 bis zur Müllabfuhr war bei dieser Lesung zu erfahren.
Es war ein ganz besonderer Abend für die Autorin wie für das Publikum. Mit 78 Anwesenden war der Löhrerhof bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Gäste fühlten sich gut unterhalten und dankten es mit reichlich Applaus. Durch den lebhaften Vortrag entstanden Bilder von vergangenen Zeiten im Kopf. Historisch fundiert und sprachlich versiert, war der Abend für alle ein Erlebnis in einnehmender Atmosphäre. Im Anschluss war noch Zeit für Gespräche und Gelegenheit für den Erwerb des Buches. Den Reinerlös der verkauften Bücher an dem Abend spendet die Autorin dem HKV, nicht nur dadurch bringt sie ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat zum Ausdruck.
Die Lesung endete im Jahr 1815. Europa wurde im Wiener Kongress neu geordnet. Viele Jahre hatte Johanna von ihrem Lieutnant nichts gehört, als ihr ein Kurier ein kleines Paket überbrachte. Wird ihre Geschichte ein Happyend haben? Diese Frage ließ Susanne Bautz ganz bewusst offen.
Text: Dirk Schmitz