Reise ins Taubertal

„Es war eine schöne Reise, die uns ins Taubertal führte. Leider konnten Alois und Roswitha Wilmer und Peter und Roswitha Schriefer nicht dabei sein, da sie durch Krankheit daran gehindert wurden. Das hat die HKV-Gruppe sehr bedauert!

Als wir uns am 14. Mai 2026 am Parkplatz an der „Bütt“ trafen, starteten wir mit der Befürchtung, dass uns eine regenreiche Reise bevorstehen könnte. Die Wetterprognosen waren alles andere als rosig und viele hatten sich auf ungemütliche und regenreiche Tage eingestellt und die Kleidung entsprechend dafür vorbereitet. Aber es kam – Petrus sei Dank – anders. Davon wird noch die Rede sein.

Unser Reiseleiter, Herr Brückner von Hafermann-Reisen, war hervorragend vorbereitet und als gebürtiger Franke eine ideale Besetzung, denn er verstand es, uns seine Heimat und die Mentalität der Franken nahezubringen. 

Das Taubertal ist ein Teil der Romantischen Straße und unser Hotel das „Best Western“ am Kurpark von von Bad Mergentheim gelegen, erwartete uns. Bevor wir jedoch nach Bad Mergentheim fuhren, steuerten wir Weikersheim an.  Der Ort, Stammsitz des Geschlechts von Hohenlohe und Jahrhunderte hindurch Residenzstadt der Hauptlinie dieses Geschlechts, hat heute noch den Charakter einer kleinen Residenzstadt. Die Mitte des Ortes wird vom Marktplatz gebildet, an dessen östlicher Schmalseite die spätgotische Pfarrkirche steht. Auf dem Marktplatz steht ein Brunnen von 1768. Im Blick schon der Zugang zum Schloß: Brücke und Torbau (17. Jh.), dann folgt ein Durchgang, durch den man in den unregelmäßig geformten Schloßhof kommt. Dort steht der mittelalterliche Bergfried mit barocker Haube. Im Südflügel, der Ende des 16. Jhs im Stil der Renaissance errichtet wurde, befindet sich der über zwei Stockwerke reichende Rittersaal, einer der größten und schönsten Säle seiner Zeit. An der Südseite schließt sich der Schloßpark (1709) an. Dort angekommen, wurde ein erstes gemeinsames HKV-Gruppenfoto vor dem Hintergrund dieser herrlichen Renaissance-Schloßfassade gemacht. 

Sehr beeindruckt von diesem 1. wunderschönen Orts- und Schloßensemble traten wir erwartungsvoll die Fahrt nach Bad Mergentheim an, wo uns das 4-Sterne Best Western Parkhotel Bad Mergentheim erwartete. Dort angekommen, begrüßte uns der Hoteldirektor persönlich und wir konnten unsere Zimmer beziehen. Im Hotel-Restaurant, einem hellen großen Raum mit Glasfronten zum Kurpark, konnten wir uns erstes Abendessen einnehmen. 

 Am nächsten Morgen, gut gestärkt für den kommenden Tag durch ein reichhaltiges Frühstück, erwartete uns eine Fahrt nach Creglingen mit Besichtigung der im Herrgottstal stehenden Herrgottskirche, in der eine Fülle von Schnitzarbeiten zu sehen ist. Die hervorragendste Arbeit ist Riemenschneiders Marienaltar (um 1502-1505), um dessen Anfertigung der Meister gebeten worden war, weil man die Stelle des Hostienwunders (der Legende nach hatte ein Bauer beim Pflügen eine unversehrte Hostie gefunden), das im 14. Jh zum Bau der Kirche geführt hatte, in besonders würdiger Weise kennzeichnen wollte. Im Mittelteil des Schnitzaltars sind unten die Himmelfahrt und oben die Krönung Mariens dargestellt. Die großartige Komposition, die Lebhaftigkeit und Feinheit der Figuren und die Fähigkeit, seelische Regungen darzustellen, ist das besondere Merkmal der Riemenschneiderschen Bildschnitz-Kunst, die am Ende der Hochgotik im Übergang zur Renaissance schon dem Gedanken des Humanismus zuzuordnen ist.  

Von Creglingen aus ging es weiter über die Romantische Straße nach Rothenburg ob der Tauber. Diese Stadt ist ist das Ziel einer Flut von Touristen und auch wir freuten uns auf dieses mittelalterliche Kleinod, das am rechten Ufer der Tauber gelegen ist, an der Schnittstelle der Romantischen Straße und der Burgenstraße.

Rothenburg ob der Tauber zählt zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen und ausländischer Besucher, und ist weit mehr als jede andere deutsche Stadt als Ganzes ein Kunstwerk. Eine alte und zugleich alt gebliebene Stadt, die ihre heutige noch mittelalterliche Gestalt der Tatsache verdankt, dass den  Bürgern nach dem 30jährigen Krieg das Geld ausging. In den Bauernkriegen, Religionskriegen und dem 30jährigen Krieg ging die Macht dieser Freien Reichsstadt verloren, aber der Westfälische Friede (1648) sicherte der Stadt den Status der Freien Reichsstadt und beließ sie im Besitz des großen Territoriums, das sie in ihrer Blütezeit erworben hatte.  

1802 kam Rothenburg mit seinem Territorium an Bayern. Die moderne Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung erfaßte Rothenburg nicht. Man könnte sagen, daß die Stadt in einen Dornröschenschlaf fiel, und in diesem wurde sie von dem Romantikern entdeckt. Durch diese Entdeckung gelangte die Stadt zu neuem Ruhm; sie wurde zum Reiseziel all derer, die schönstes deutsches Mittelalter kennenlernen wollen.

Die Besichtigung Rothenburgs bereitet keinerlei Schwierigkeiten, da alle Sehenswürdigkeiten leicht zu finden sind und nicht weit voneinander entfernt liegen.

Am Marktplatz gelegen ist das Rathaus, das aus einem vorderen Renaissancebau und einem hinteren gotischen Bau besteht. An der Südseite des Marktplatzes steht vor ansehnlichen alten Häusern der St. Georgsbrunnen (1446; 1608 im Stil der Renaissance neu gestaltet).

Vom Rathaus ist es nicht weit bis zur Jakobskirche, eine dreischiffige Basilika, in deren Innerem sich einige bedeutende Kunstwerke befinden. In der Heilig-Blut-Kapelle auf der Westempore hinter der Orgel steht das hervorragendste Kunstwerk Rothenburgs. Der von Tilman Riemenschneider geschaffene Heilig-Blut-Altar mit der Darstellung der Passionsgeschichte (der Mittelteil ist dem letzten Abendmahl vorbehalten und beeindruckt vor allem durch die Darstellung der Apostel. Es ist eine ergreifende Darstellung, die sich besonders in der Ausdruckskraft Christi und des Verräters Judas ausdrückt. 

Viele interessante Sehenswürdigkeiten ließen sich noch nennen, aber es ist der begrenzten Kapapziät des Artikels geschuldet, dass nicht alle in ihrer Komplexität und Vielgestaltigkeit aufgeführt sind. Ich habe mich in diesem Bericht auf die mir wesentlich erscheinenden bezogen. 

Von Rothenburg aus ging es zurück in Richtung Bad Mergentheim, wobei eine Gruppe unterwegs in Markelsheim an einer Weinprobe teilnahm und den Weg zum Hotel (ca. 7 km) zu Fuß zurücklegte. Die andere Gruppe fuhr mit dem Bus weiter zu unserem Hotel und hatte Gelegenheit, an einem geführten Spaziergang mit unserrm Reiseleiter durch den Kurpark und die Altstadt von Bad Mergentheim teilzunehmen oder ganz einfach noch etwas Freizeit zu genießen.  

Am Samstag stand noch einmal ein Riemenschneider-Werk auf dem Programm. Riemenschneiders Rosenkranzmadonna in der spätgotischen Wallfahrtskirche „Maria in den Weinbergen“ bei Volkach. Durch die Rebzeilen des Kirchberges nördlich von Volkach führt ein schmaler Weg mit Kreuzwegstationen hinauf zur Wallfahrtskirche. Kunstfreunde kommen wegen der Königin des Rosenkranzes, die Tilman Riemenschneider 1521-1522,  geschnitzt hat. Die lebensgroße Figur Mariens steht in einem Oval geschnitzter Rosen, von denen je zehn Blüten den zehn „Aves“ des Rosenkranzes entsprechen und durch 5 Medaillons abgeteilt werden. Auch hier könnten noch genauere Details geschildert werden, aber wie ich schon sagte. „Ich muß mich begrenzen“!

Es stand für den heutigen Tag eine Main-Schiffahrt auf dem Programm. Wie auch an den Tagen zuvor begleitete uns die Sonne entgegen aller anders lautenden Prognosen. Also war es ein ungeteilter Genuß, auch vom Wasser des Main aus die Reise mit dem Schiff zu genießen.  

Nach der Mittagspause ging es dann zur Abtei Münsterschwarzach, einem der größten Benediktinerklöster Deutschlands. Es ist die Abtei, die besonders durch Anselm Grün eine große Bekanntheit erreicht hat, der durch seine Bücher ein vielbeachtetes großes religiöses und spirituelles Werk geschaffen hat. Wir konnten ihn allerdings nicht dort antreffen, da er auf dem Kirchentag in Würzburg war, der an diesem WE stattfand. Durch die Abtei führte uns Pater Domenico, der uns einen Film über die Klostergeschichte zeigte, Fragen beantwortete und uns später im Kirchenraum ein wunderbares Orgelkonzert schenkte, das viele (ganz besonders das mittlere Stück) ergriffen zurückließ. Wir verließen das Klostergelände und hatten einen Halt in Kitzingen, um dann ins Hotel zum Abendessen zu fahren.  

 Am Sonntag – wieder einmal schien die Sonne und verzauberte den Tag – erwartete uns ein Tagesausflug nach Würzburg. Am Ausgangspunkt der Romantischen Straße gelegen, und außerdem beiderseits des Mains, ist umgeben von einigen der berühmtesten Weinberge Frankens. Die Stadt ist der geistliche (Sitz eines Bischofs), kulturelle (u.a. Universität) und wirtschaftliche Mittelpunkt der Landschaft Mainfranken, die ein Teil Unterfrankens ist. Höhepunkt dieses Tages ist die Besichtigung der Fürstbischöflichen Residenz mit dem größten zusammenhängenden Deckenfresko der Welt von dem Venezianer Maler Giovanni Battista Tiepolo, der in den Jahren 1752-1753 das 540 qm große Gewölbefresko, in dessen Mitte der antike Götterhimmel und an dessen Rändern die Erdgeschichte dargestellt sind. In der Europa-Darstellung sieht man das Konterfei von Balthasar Neumann, dem genialen Baumeister der Residenz. 

Vom Treppenhaus hat man Zugang zum Weißen Saal, der von Antonio Bossi stuckiert worden ist. An ihn schließt sich zur Gartenseite hin der Kaisersaal an. Beiderseits des Kaisersaals liegen die langen Reihen der Paradezimmer. 

Im Südwestteil des südlich des Ehrenhofs gelegenen Baukomplexes befindet sich die Hofkirche (Zugang vom Residenzplatz her), die baulich dem Entwurf von Balthasar Neumann entspricht. Von der prunkvollen Ausstattung schuf Antonio Bossi die Stukkaturen und Tiepolo die Gemälde der Seitenaltäre.Der hinter der Residenz gelegene Hofgarten, mit zahlreichen Statuen geschmückt, ist heute Teil der Grünanlage, durch die wir vom Bus aus den Komplex betraten. Wieder schien die Sonne und wieder trug das zu einer besonders einladenden Atmoshäre bei.

Bei einem geführten Rundgang erschloß uns Herr Brückner diese wunderschöne Stadt mit ihren herausragenden Sehenswürdigkeiten und zum Abschluß des Tages erwartete uns eine launige Kellerführung inclusive Weinprobe im Weingut Bürgerspital.

Zum Abschluß des Tages erwartete uns wie jeden Abend ein großzügiges Abendessen mit reicher Auswahl.

Unweigerlich, nämlich am Montag, den 18. Mai, kam der Tag des Abschieds von unserem Hotel und von Bad Mergentheim, dem wunderhübschen Kurort im Taubertal, das uns eine so reiche Kultur und Natur geboten hat. 

Aber die Reise war damit noch nicht am Ende. Es folgten noch die zwei wirklich sehenswerten Orte: Wertheim und Miltenberg. Auch diese Städtchen wurden uns von Herrn Brückner auf eine sehr nachhaltige und interessante Art und Weise nahe gebracht. Durch Anekdoten, Legenden, Geschichten, die die Orte in Erinnerung halten werden. Ich könnte mir vorstellen, es liegt im Interesse aller, sie nicht in aller Ausführlichkeit darzustellen, es würde –  wie gesagt – den Rahmen sprengen!

Es hieß nun endgültig Abschied nehmen und unser Busfahrer Marcel ließ uns mit großem Fahrgeschick sicher und wohlbehalten in Hürth – trotz Stau  am Eifeltor – pünktlich um 19.00 Uhr ankommen. Eine ereignisreiche und sonnige Reise ins Taubertal war damit ohne Hindernisse leider zu Ende.   

Text: Maria Becker
Foto: Klaus Sieger