Führung in der Neustadt Nord am 16. Juni 2026

In Köln war unser Ziel die Neustadt Nord (Mediapark, Stadtgarten, Colonius, Belgisches Viertel und Agnesviertel), nicht zu verwechseln mit dem Stadtteil Altstadt Nord, der mit der Altstadt Süd durch die Kölner Ringe enger umgrenzt ist. Der älteste Teil der Neustadt Nord ist das Agnesviertel und das wollten heute 24 gut gestimmte Teilnehmende erkunden.
Bei schönem Wetter empfing uns am Reichenspergerplatz der Stadtführer Dr. Andreas Baumerich, der uns durch zahlreiche Führungen in guter Erinnerung ist. Prunkvolle Gründerzeitpaläste und das Schloss – wie Heinrich Böll das Oberlandesgericht nannte – prägen diesen noblen Teil des Viertels. Der neobarocke Prachtbau des Gerichts wurde 1911 eröffnet und umfasst einen gesamten Häuserblock. Über dem imposanten, mit Säulen versehenen Haupteingang prangt ein Relief der Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit. Mit Schwert und Gesetzbuch in den Händen thront sie über dem Hauptportal des Gebäudes, in dem auf fünf Stockwerken Gerichtsprozesse stattfinden.

Weiter gingen wir durch die Merlo- und Blumenthalstr. und ließen uns von Dr. Baumerich die Feinheiten der Gründerarchitektur der mehrstöckigen Stadthäuser und deren expressionistischen Elemente (1914-1920) mit runden und zackigen Formen sowie kleinen Skulpturen erläutern. Auch wies er auf die dichten Blockrandbebauungen und repräsentativen Fassaden mit reichem Stuck und markanten Vorbauten hin. Hier wohnte und wohnt auch heute noch das gehobene Bürgertum, ein „Kölner In-Veedel“.
Durch die Lentstr. spazierten wir weiter zum Rosengarten im Fort X. Das Fort wurde zwischen 1819 und 1825 als eines von 4 Bauwerken des Festungsrings Köln erbaut und nach Prinz Wilhelm von Preußen benannt. Das Fort wurde als eine der am besten erhaltenen Anlagen des preußischen Militärs in einer großzügig gestalteten Parkanlage integriert. Heute wird es durch einen schmuckvollen Rosengarten als Ausflugsziel gepriesen. Ca. 2000 Rosen aus 40 verschiedenen Sorten sind zu bestaunen. Ein Park mit romantischer Atmosphäre.
Dann erreichten wir die neugotische Hallenkirche St. Agnes, die mit einem eindrucksvollen Fassadenturm ohne Helm stadtteilprägend wirkt. Das Bauwerk ist die zweitgrößte Kirche Kölns und wurde auf Wunsch seines Stifters Peter Joseph Röckerath zur Erinnerung an seine verstorbene Frau Agnes der heiligen Agnes geweiht. Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg erheblich zerstört, wurde aber bereits 1945 als Notkirche wieder in Betrieb genommen. Am 18. Juni 1980 kam es infolge unsachgemäß ausgeführter Schweißarbeiten zu einem Großbrand des Kirchendachstuhles, der nun wieder zerstört wurde. Die typische verkleidete flache Decke wurde aber durch eine Rekonstruktion des ursprünglichen Gewölbes ersetzt. Ebenfalls beim Brand der Kirche wurden die Glocken beschädigt und mussten durch neue ersetzt werden. Mit einem Gesamtgewicht von nahezu 10 Tonnen zählen die neuen Glocken zu den größten Geläuten Kölns. Leider konnten wir durch umfangreiche Renovierungsarbeiten am Turm, an den Portalen und im Innenraum die Kirche nicht umfänglich bestaunen.

Der Abschluss eines interessanten Tages fand in einer typisch kölschen Brauerei statt, „Em Kölschen Boor“, die seit 1761 am Eigelstein sesshaft ist. Bei Kaltgetränken ließen wir das Gesehene und das von Herrn Dr. Baumerisch so eindrucksvoll vorgetragene Gehörte noch einmal Revue passieren. Roswitha Wilmer dankten wir gerne für ihre gute Organisation.
Text und Bilder: Peter Schriefer