August- Macke Haus

  • Besuch des Museums August- Macke Haus in Bonn  am 07.05.2026

Die Linie 18 nach Bonn um 12:18 Uhr fällt aus, so begann der Besuchstag an ihrer Haltestelle am Kiebitzweg. Aber kein Grund für 18 gutgelaunte HKV-ler beunruhigt zu sein, die sich bei Sonnenschein plauschend die Wartezeit vertrieben. Die nächste Bahn reichte auch aus, um das Museum August-Macke Haus noch pünktlich zur Führung in der Sonderausstellung „Visionen der Moderne“ zu erreichen. Anlass zur Ausstellung war der 50. Todestag von Max Ernst (1891-1976) und sie beleuchtet seine Verbindung zu August Macke (1887-1914), besonders in den Jahren 1911-1914. Nach einem kleinen Fußweg gut angekommen, begrüßte uns unsere Führerin Frau Stefanie Bornheim-Prang und öffnete die Tür zu ca. 80 Gemälden, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Zeitdokumenten. Sie beschrieb die Entwicklung der Künstler und anhand einiger Bildbeschreibungen konnten wir uns gut in die Anfänge des Rheinischen Expressionismus und in die künstlerische und freundschaftliche Verbindung von Macke und Ernst hineinversetzen. 

Hört der Betrachter den Namen Max Ernst denkt er allerdings zunächst an die Kunstströmungen Dadaismus und Surrealismus, mit denen er international berühmt wurde. Zunächst schnupperte er aber durch seine Bekanntschaft mit August Macke in den Rheinischen Expressionismus hinein, ein Be­griff, der von August Macke zu seiner ersten Ausstellung 1913 ge­prägt wurde. Dort stellte Max Ernst erstmalig seine Frühwerke aus und lernte weitere Künstler dieses Genres kennen.   

Macke und Ernst waren in vielerlei Hinsicht verbunden. Beide begeisterte die französische Kunst, die Alltagsthemen ihrer Zeit, wie Zirkus, Tanz und Ansichten von ihrem Lebensmittelpunkt Bonn. Inspiriert durch Kunstproduktionen vor ihrer Zeit malten August Macke 1910 die „Flucht nach Ägypten“ und 1913 Max Ernst ein „Kreuzigungsbild“. Macke liebte es, Szenen des Alltags einzufangen, darunter auch Stadtlandschaften aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Er lieferte gerne leuchtende Farben, leicht abgestuft, die er im Bild neu aufbaute, was zu einem wichtigen Bestandteil seines Stils wurde. Macke unternahm viele und weite Reisen bis nach Nordafrika, um moderne Malerei, innovative Künstler und neue Umgebungen kennenzulernen. Anschließend tauschte er sich in seinem Atelier mit Max Ernst und weiteren Vertretern des Expressionismus, wie Guillaume Apolinaire, Robert Delauny, Gabriele Münter, Paul Klee und Franz Marc freundschaftlich aus. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Mark zum Kriegsdienst eingezogen und fiel wenige Wochen später 1914 an der französischen Front in der Champagne. Seine Werke sind heute wertvolle Sammelobjekte.

Der Besuch wäre unvollständig gewesen, wenn wir nicht noch die Gelegenheit wahrgenommen hätten, das Wohnhaus von Elisabeth und August Macke, an dem der Museumsneubau 2017 angebaut wurde, zu besuchen. Wir konnten auf 4 Etagen die ständige Ausstellung mit über 100 Originalwerken und zahlreiche Memorabilien, Möbeln und Dokumenten bestaunen. Und zum Schluss war auch noch ein wenig Zeit für Kaffee und Kuchen im ansprechenden und gepflegten Cafe des Museums und um Dr. Inge Karaus einen herzlichen Dank für die gute Organisation auszusprechen.

Als Gesamtschau bleibt festzuhalten, dass sowohl die Sonderausstellung, als auch die ständige Ausstellung im Künstlerhaus mit viel Liebe zu den Künstlern kuratiert wurden. Ein Besuch ist sehr empfehlenswert.

Text und Bilder: Peter Schriefer