Ausflug nach Remagen

am 23.7.2026   

Gegen Mittag starteten wir bei sehr angenehmer Temperatur und bester Laune, begleitet durch unseren Gästeführer, Herrn Thehos, in einen äußerst informativen, interessanten und schönen Tag.

 Ein kurzer Abschnitt des Pilgerweges führte uns zunächst auf dem Martinsberg (hist.Name) zur gelegenen neogotischen Apollinariskirche hinauf. Ihre mit gusseisernen Turmhelmen verzierten Zwillingstürme prä­gen schon von weitem das Landschaftsbild. Beim Betreten dieser Wall­fahrtskirche wird man direkt von prachtvollen Fresken im Nazarenerstil (19.Jhdt.) in den Bann gezogen. Sie zeigen im Wesentlichen das Leben von Jesus, Maria und des heiligen Apollinaris. Besonderes Glück hatten wir, da während der Wallfahrtswoche gerade die berühmte silberne Kopf­reliquie des heiligen Apollinaris von Ravenna im Altarraum zur Ver­eh­rung ausgestellt war (sonst immer im Schrein in der Krypta verbor­gen!). Der Legende nach musste sie 1164 auf wundersame Weise in Remagen an Land verbleiben. Nur dann konnte das Schiff, mit dem der Kölner Erz­bischof Rainer von Dassel auch die von Kaiser Barbarossa übereigneten Gebeine der Heiligen Drei Könige aus Mailand nach Köln brachte, weiterfahren.

Remagen hat eine lange faszinierende, teils auch tragische Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht. Vor allem aber rückte die Stadt während des zweiten Weltkrieges durch die be­rühmte kurze, aber heftige Schlacht um die Ludendorff-Brücke in den weltgeschichtlichen Fokus.

 Vom 40m oberhalb des Rheines liegenden Garten hat man einen schönen Blick auf das Rheintal mit Loreley und Remagen/Erpel. Von hier aus erblickte am 7.März 1945 der junge Leutnant K.H.Timmermann, der als Anführer einer Vorhut der 9. US-Panzerdivision vorrückte, völlig er­staunt die letzte noch unzerstörte Brücke über den Rhein. Er vermutete zunächst, dass es sich um eine Falle handeln könnte (Kriegsbefehl: Brücken waren zu sprengen, wenn der Feind auf 8km heran­gerückt war!) Unter kundiger Leitung folg­ten wir dem Weg, den einst auch die Amerikaner beschritten, vorbei an einem Obelisken, Resten einer römischen Wasserleitung, … in die historische Alt­stadt. Bei unserer Führung erhiel­ten wir interessante Informationen über den militärstrategischen Bau (1912-1918) der zweigleisi­gen Eisen­bahnbrücke, die bereits 1905 als wichtige Ost-West-Verbindung geplant wurde und er­fuhren spannende Details rund um die dramatischen Tage im März 1945.

Vor ausgewählten Gebäuden Remagens bekamen wir anhand von historischen Fotos einen sehr anschaulichen Eindruck in die Leiden der Zivilbevölkerung. Zudem erfuhren wir ausführlich, wieso die vorgesehene Sprengung der Brücke durch das deutsche Brückenkommando nicht recht­zeitig erfolgte, und dass infolge einer Verkettung unglücklicher Ereignisse und Pannen die Not­sprengung erfolglos blieb (u.a. Fehlinformationen über die Lage an der Westfront, fehlender schriftlicher Sprengbefehl, minderwertiger Sprengstoff in viel zu geringer Menge).  Auch erhiel­ten wir Einblicke in den verzweifelten Versuch der Wehrmacht, die Brücke auch nach ihrer Er­oberung noch zum Einsturz zu bringen. Aus Sicht der Amerikaner manifestierte sich die Erobe­rung schließlich als das Wunder von Remagen, zumal ohne größere Verluste. Innerhalb weniger Tage konnten so mehrere Divisionen den Rhein überqueren und den Krieg im Westen verkürzen. Am 17. März kollabierte schließlich die durch Sprengversuche, Bombardements und das enorme Gewicht der Militärfahrzeuge schwer beschädigte Brücke und riss 28 mit Reparatur­arbeiten be­auftragte amerikanische Soldaten mit in die Tiefe. Ein späterer Plan zum Wiederaufbau wurde aus Kos­tengründen aufgegeben. 

 Durch den 1969 erschienenen US-Kriegsfilm „Die Brücke von Remagen“ erlangte Remagen er­neut internationale Bekanntheit, die Brücke wurde zum Mythos und hat zu einem erweiterten Geschichtsbewusst­sein geführt.

Das 1980 eröffnete, ehren­amtlich betreute Friedens­museum von Remagen be­findet sich in den beiden westlichen Brückentürmen. Auch hier erfuhren wir viele lehrreiche Details, die uns die Geschehnisse der damali­gen Zeit und ihre Folgen bes­ser verstehen lassen. Dabei wird die Geschichte der Brücken­eroberung aus deutscher und amerikanischer Perspektive mit dem Anspruch größter Au­then­tizität dargestellt. Unter den Exponaten befinden sich zahlreiche historische Fotos, Dokumente, Unifor­men sowie per­sönliche Gegenstände von Soldaten und Zivilisten.

“Ein Ort, an dem sich Feinde treffen“. Das Museum setzt sich gekonnt für Frieden, Versöhnung und Erinnerung an die Vergangenheit ein. Es zeigt uns, wie wichtig Friedensarbeit und Verständi­gung zwischen den Menschen ist. Zunächst wurde der Bau und Erhalt des Museums durch eine pfiffige Idee des langjährigen Bürgermeisters Kürten er­mög­licht: Am 7.März 1978 startete er eine weltbekannte Aktion zum Verkauf klei­ner Bruchstücke der abge­trage­nen Brückenpfeiler als Souvenir-Briefbe­schwerer mit Echtheitszertifikat, die in den USA reißenden Absatz fanden. Heute sind das Mu­seum und die Brückenköpfe ein Publikumsmagnet: 2025 zählte man 16000 Gäste aus 56 Ländern.

Vielen Dank für die tolle Organisation und exquisite Führung durch Herrn Dr. Karaus, der mit Herrn Thehos einen Reisebegleiter mit vorzüglichen Orts- und Ge­schichts­kenntnissen gewonnen hatte, der Legenden, My­thos und histori­sche Wahrheiten stets abzugren­zen wusste.

Text und Fotos: Albers- Schulze-Kelling