Stadtrundfahrt zu besonderen Orten in Hürth mit Bürgermeister Dirk Breuer am 12. März 2026
Alle 2 Jahre fährt der Hürther Bürgermeister Dirk Breuer mit HKV-Mitgliedern zu besonderen Orten der Stadt. Treffpunkt war 13.00 Uhr an der Bushaltestelle vor der Stadtbücherei. Der Bus war ausgebucht und die Teilnehmer auf die folgenden 3,5 Stunden sehr gespannt.

Themenschwerpunkte von Herrn Breuer waren das Aufzeigen des großen historischen Erbes der Stadt und die vielen zukünftigen Entwicklungen.
Erste „Bus-Stopps“ waren in der Hans-Böckler-Straße/Ecke Luxemburger Straße und vor dem türkischen Generalkonsulat. Das Konsulat nutzt das ehemalige Rathaus, in dem bis 1984 die Verwaltung der Stadt Hürth untergebracht war. Das Backsteingebäude davor stammt aus den 20er Jahren. Der Turmanbau war der damalige Schlauchturm der Feuerwehr. Über die Luxemburger Straße, rechts am Kreisverkehr in Richtung Kalscheuren, ging es weiter. Die ehemalige Pfarrkirche St. Ursula, erbaut vom Kölner Architekt Gottfried Böhm, ist heute ein Ausstellungsort mit international bekannten Künstlern, der einen Besuch wert ist! AI Village auf dem Gelände des Euronova Campus war der erste Halt mit Aussteigen. Dabei trafen wir die Delegation der Partnerstadt Kabarnet aus Kenia!
AI Village soll der erste „voll-digitalisierte Campus Europas für Forschung, Entwicklung und praxisnahe Demonstration von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik“ werden. Unternehmen mit Forschungseinrichtungen werden hier zusammengebracht, um KI-Technologien zu entwickeln. Das Ziel ist, diese Entwicklungen in die Produktion zu überführen.
Vorbei am Gelände der ehemaligen Malzfabrik und eines Neubaus mit neuen Wohn-Einheiten ging es „in die Berge“ nach Kendenich. An der linke Seite war die Burg Kendenich zu sehen, gegenüber die Grundschule. Diese wird seit der wilhelminischen Zeit unverändert als Schule genutzt, ein Novum in Hürth. Der nächste Halt mit Ausstieg war die katholische Kirche St. Johannes Baptist.
Zwischen 1858 und 1860 wurde die Kirche im neoromanischen Stil errichtet und 1956/57 aufgrund des starken Bevölkerungswachstums in Kendenich erweitert. Seitdem besteht die Kirche aus dem erhaltenen Kirchturm in romanischer Form und dem neugestalteten Kirchenschiff mit vielen schönen Fenstern. In der Schatzkammer befindet sich auch eine Schüssel mit dem abgeschlagenen Kopf Johannes des Täufers.
Der Braunkohleabbau hatte für Hürth gravierende Folgen: Änderung der Landschaft, Austrocknen der Hürther Bäche, Verlust von Ortschaften und Änderung des Sozialgefüges. Knapsack als nächster Ortsteil ist durch die Chemieansiedlung geprägt, die aber erst durch die Braunkohle als Energieträger möglich war. Neu ist das Industriegebiet Ville-Park, ein kommunales übergreifendes Projekt. Das Feierabendhaus ist ein markantes Gebäude mit einer besonderen Dachkonstruktion. Diese Dachform gibt es sonst noch in Berlin: Haus der Kulturen der Welt, die „Schwangere Auster“. Berrenrath war besonders vom Kohleabbau betroffen und ist in den 50er Jahren neu entstanden. Auf dem Wendelinusplatz standen die Versorgungswagen einer Filmgesellschaft, die in einer Gaststätte aktuell dreht. Ein Beispiel für durch den Kohleabbau verlorene Ortsteile ist Aldenrath, woran nur noch Straßennamen erinnern. Weiter nach Gleuel, vorbei an der Corrensmühle, eine geschlossene Hofanlage in fränkischer Bauart mit dem schönen Torbogen. Dritter und letzter Halt mit Ausstieg war die Burg Gleuel, der Burghof.
Die Burg Gleuel ist einer der ältesten Wasserburgen der Region. Die Burg wurde verkauft, 1976/77 denkmalpflegerisch restauriert und die Nebengebäude zu einer Wohnanlage umgebaut.

Die Fahrt führte jetzt vorbei an der alten Gleueler Volksschule. Der Keller wird vom Hürther Jazz-Club für seine, weit über Hürth hinaus bekannten, Veranstaltungen genutzt. Der Stadtteil Hürth-Mitte wurde seit Anfang der 60er Jahre als neue Siedlung geplant. Vor dem Hintergrund der drohenden Eingemeindung nach Köln sollte Hürth-Mitte zentralörtliche Funktionen erfüllen. Es entstand eine Art „Gartenstadt“, ein damals modernes Wohnbaukonzept, mit heute ca 3.500 Bewohnern. Die Eingemeindung wurde verhindert und 1978 erfolgte die Erhebung zur Stadt.
Mit Erwerb des Kreishauses und der Gesamtfläche plant Hürth die Erweiterung des Stadtzentrums. Dazu wird es einen Ideenwettbewerb für das Quartier geben, der dieses Jahr startet. Ab 2033 soll die Stadtbahn („Linie 19“) zur neuen Haltestelle Hürth-Park fahren.
Gegen 16.30 Uhr erreichten wir wieder die Bushaltestelle an der Stadtbücherei. Die Stadtrundfahrt war zu Ende. Herr Breuer hat sehr sachkundig, mit viel Engagement und Humor diese Stadtrundfahrt geführt und erhielt dafür langanhaltenden Applaus. Unseren herzlichen Dank an Herrn Breuer – mit seiner Zusage, in 2 Jahren wieder eine Stadtrundfahrt zu leiten!
Text: Klaus Kreppein
Fotos: Peter Schriefer