Warum ist es am Rhein so schön…? Und besonders in Bad Godesberg? (14.10.2026)
Dieser altbekannten Frage gingen 30 Interessierte des HKV am 14. Oktober nach und machten sich vom Bahnhof Kalscheuren auf. Nach der Ankunft wurden wir begrüßt von Michael Wenzel, der uns mit viel Insiderwissen und strammen Schrittes durch die Geschichte der Bad Godesberger Botschaften führte…Und zu unserem besonderen Ziel, dem weißen Haus am Rhein, dem berühmten Hotel Dreesen.

Michael Wenzel, Journalist von Beruf, arbeitete viele Jahre für verschiedene Zeitschriften Bonns, u.a. für den General-Anzeiger. In seinen detailreichen Schilderungen über das Botschaftsviertel Godesbergs blitzen immer wieder amüsante und auch nachdenkliche Anekdoten aus der Hochzeit der Bonner Republik auf; wer sich nicht alles damals ab 1949 auf engstem Raum begegnete an bedeuteten und eher nicht so bedeuteten Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Medien…
Im Jahr 1949 wurde Bonn, die kleine Stadt am Rhein, Bundeshauptstadt, jedoch sehr vom Krieg zerstört. So kam Bad Godesberg ins Spiel. Weitgehend unzerstört und seit dem 19.Jahrhundert von einem reichen Bürgertum entdeckt, das sich hier Visavis vom Siebengebirge, in wunderschöner Lage am Rhein, prächtige Villen bauen ließ, weil es am Rhein so schön war. Und diese Prachtbauten meist aus der Gründerzeit, suchten neue Besitzer. Portugal war eines der ersten Länder nach dem 2. Weltkrieg, das wieder diplomatische Beziehungen zur BRD aufnahm. Die alte weiße Villa Cleff, direkt am Rhein gelegen, wurde bezogen. Und es folgten immer mehr. 160 diplomatische Vertretungen fanden Domizil in alten Villen oder es wurde großzügig neu gebaut, oft nicht mit Wohlwollen der Nachbarschaft. Wie in der Simrockallee. Dort musste die Botschaft Israels,1974 errichtet, mit immensen Sicherheitsvorkehrungen gebaut und in den Jahren geschützt werden. Bedrohungen aller Art waren auch damals schon traurige Realität. Und dann kam die Wiedervereinigung und der Umzug nach Berlin. Viele der alt ehrwürdigen Villen fanden neue Besitzer. Firmen, Kanzleien, Stiftungen residieren bis heute darin. Manche der alten Botschaftsgebäude suchen aber heute noch neue Eigentümer und zählen zu den sog. lost places. Michael Wenzel gibt in seinem lesenswerten Reiseführer (Bad Godesberger Botschaften) viel Informatives und Anregendes für eigene Erkundigungen. Unsere Erkundigung fand ihren Höhepunkt im alt ehrwürdigen Rheinhotel Dreesen, das seit seiner Gründung im Jahr 1893 die wechselvolle Geschichte Deutschlands mit allen Höhen und den Tiefpunkten widerspiegelt. Sehr anschaulich und lebendig wurde uns dies von Herrn Fritz Dreesen, dem jetzigen Besitzer des Rheinhotels erzählt, der sich die Zeit nahm, uns persönlich willkommen zu heißen.
Text:Ute Grieger-Jäger
Foto: Michael Heidbreder